Geschichte der Gärten

Pergola im Amtsgarten Halle

Die Geschichte der Gärten reicht von der Antike über die Neuzeit bis heute. Auch Halle punktet nicht nur mit Architektur, sondern auch mit historischen Gärten und Parkanlagen und der Gestaltung des öffentlichen Raumes. Nicht umsonst werden in der Saalestadt gleich drei historische Gärten und Parks unter dem Projekt „Gartenträume Sachsen-Anhalt“ touristisch vermarktet. Die Hallesche Immobilienzeitung stellt unter der Rubrik Architektur in Halle“ die verschiedenen grünen Oasen der Saalestadt vor.

Der Garten im Altertum

„Das Leben beginnt mit dem Tag, an dem man einen Garten anlegt“. Es kommt nicht von ungefähr, die Geschichte der Gärten und Landschaftsarchitektur mit einem chinesischen Sprichwort einzuleiten. Lässt sich doch die chinesische Gartenkunst bis 3.000 v. Chr. zurückverfolgen.

Schon im Altertum gab es jedoch große Unterschiede in der Motivation einer Gartenanlage oder der menschengemachten Landschaftsgestaltung. Bestand im alten China die Motivation darin, durch die künstliche Gartenanlage ein ideales Abbild der Natur zu schaffen, das betrachtet werden konnte, wurde im orientalischen Raum der Sumerer und Ägypter (3.000 bis 2.000 v. Chr.) bereits zwischen Nutz- und Ziergarten unterschieden.

Aufzeichnungen eines ägyptischen Gartenmodells legen nahe, dass die ägyptischen Pyramiden – die heute in der Wüste stehen – bereits 2.000 v. Chr. von großzügigen Gartenanlagen geprägt waren.

Machtpräsentation und Herrschaft über die Natur

Die Anlage eines Gartens diente zunächst der Machtpräsentation, war den Eliten und Privilegierten vorbehalten und hatte Repräsentationsfunktionen. Gärten oder Parks waren direkt an Schlösser, herrschaftliche Villen oder Paläste angeschlossen und nur wenigen Menschen zugänglich. Sie wurden zwar als kulturelles Ensemble aus den Ursprüngen der Natur abgeleitet, aber wiederum strikt von der wilden Natur getrennt.

Der Gegensatz zwischen wilder, unedler Natur und veredelter, in Kultur genommener Natur manifestierte sich zunächst in streng geometrischen Formen, in der Pflanzen weniger Raum einnahmen und sich auch nicht entfalten sollten. Gerade im Mittelmeerraum dienten Bäume in einer Gartenanlage eher dem praktischen Zweck als Schattenspender.

Gartenarchitektur der Neuzeit geht mit Kunst-, Kultur- und Stilepochen einher

Gärten und Parkanlagen der Neuzeit richteten sich vor allem nach dem jeweiligen Verständnis von Kunst und Kultur einer Epoche. Oft planten Architekten den Garten als Erweiterung des Wohnraums und der Gestaltung eines Objektes gleich mit. So entstanden in Europa Gärten, mit den, für die jeweilige Zeit typischen, Stilelementen, Perspektiven und Ornamentik der Renaissance, des Barock und Rokoko. Später entstand – unter angelsächsischem Einfluss und in Anlehnung an die ideale Natur und die Kunstepoche der Romantik – der naturnahe Landschaftsgarten.

Für die genannten Epochen stehen in Halle exemplarisch der Stadtgottesacker, Amtsgarten, Reichardts Garten und der Hof der Neuen Residenz.

Amtsgarten Halle an der Burg Giebichenstein

Gärten und Parks erhalten eine gesellschaftliche Funktion

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es erste Tendenzen, dass Gärten nicht nur dem Adel und der Elite vorbehalten waren. Mit Beginn der Industrialisierung erhöhte sich die Luftverschmutzung in den Städten enorm und machte Erholungsplätze notwendig. Und sowohl die arbeitende Bevölkerung, als auch das aufstrebende Bürgertum forderten vermehrt Plätze zur Erholung.

Im Rahmen der Expansion der Städte wurde öffentlichen Grünflächen mehr Raum gegeben, um bei der sich erhöhenden Bevölkerungsdichte für mehr Erholung und Lebensqualität der Bewohner zu sorgen.

So wurde in Halle die Fläche der heutigen Peißnitzinsel 1888 von der Stadt zurückgekauft und stetig für Erholungszwecke ausgebaut. Der Stadtpark Halle entstand auf Initiative des „Städtischen Verschönerungsvereins“ im Rahmen der Neubebauung der Magdeburger Straße.

Der Pestalozzipark wurde von Franz Mengel im Zuge des Baus der “Gartenvorstadt Gesundbrunnen” zwischen 1926 und 1931 gestaltet.

Der Pestalozzipark im Süden der Stadt Halle
Der Pestalozzipark im Süden der Stadt Halle

Durch Dr. Schreber wird der Garten privat

Unter der Bewegung von Dr. Schreber in Leipzig, Kleingärten zur ‚körperlichen Ertüchtigung‘ zu nutzen, entstanden im 19 Jh. die sogenannten Schrebergärten. Die aus den ehemaligen Armengärten hervorgegangenen Schrebergärten lagen oft außerhalb der Stadt oder in städtischen Randlagen. Sie dienten zunächst als reine Versorgungsgärten, entwickelten sich später aber auch zu reinen Zier- und Freizeitgärten oder Kombinationen.

Die grüne Oase für jedermann möglich

Heute bestehen sowohl für Hausbesitzer mit Gartengrundstück, als auch für Schrebergartenbesitzer alle Spielarten und Varianten der Gartengestaltung nach persönlichen Vorlieben und Nutzungszwecken. Von A wie ‚Alpiner Steingarten‘ bis Z wie ‚Buddistischer Zen-Garten‘ sind heute nahezu alle Varianten auf kleinem oder großem Raum oder in Kombinationen möglich.

Und auch auf kleinsten Wohnbereichen, wie Balkon oder Terrasse, bis hin zum Trend des „Urban Jungle“ in der Wohnung kann heute jeder seine kleine grüne Oase für die persönliche Erholung gestalten.

Gartenträume Sachsen-Anhalt
50 historische Park- und Gartenanlagen gehören zur Gartenträume-Initiative des Landes Sachsen-Anhalt. Mit Liebe und Sorgfalt haben Fachleute sie aus über 1.000 denkmalgeschützten Park- und Grünanlagen zwischen Elbe, Harz und Saale ausgewählt. Die Mehrzahl von ihnen wurde in den vergangenen Jahren nach historischen Unterlagen saniert und wiederhergestellt. Die Anlagen werden jährlich von rund 2 Mio. Gästen besucht. www.gartentraeume-sachsenanhalt.de

Quellen:

Ralph Eid: http://www.lebendige-gaerten.de
Wikipedia, Geschichte der Gartenkunst: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_
Gartenkunst
Wikipedia, Kleingarten: https://de.wikipedia.org/wiki/Kleingarten
Stadt Halle (Saale), Grünes Halle entdecken: www.halle.de
Gartenträume Sachsen-Anhalt: https://gartentraeume-sachsen-anhalt.de

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