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Architektur in Halle: Otto Kilburger

Das ab 1889 erbaute Gebäudes ist Teil des einzigartigen Ensembles des Universitätsplatzes.

Der Architekt Otto Kilburger – sein vollständiger Name lautet Otto Ernst Kilburger – wurde 1830 in Halberstadt geboren. Als königlich-preußischer Baurat war er aber vor allem in Halle tätig, wo er 1913 auch verstorben ist. Die von ihm entworfenen Gebäude prägen das Stadtbild bis heute. Dazu zählen vor allem Institute der Martin-Luther-Universität und Kirchen. Dennoch ist Otto Kilburger nur den wenigsten Hallensern bekannt.

So hat der Architekt Otto Kilburger den Neubau des großen Physikalischen Instituts am Friedemann-Bach-Platz geplant, der damals noch Paradeplatz hieß. Die „Physik“ wurde von 1887 bis 1890 gebaut. Das Gebäude besteht aus einem 16,5 Meter hohen Hauptgebäude mit Mittelbau sowie zwei Flügeln und wird von einem hohen Turm um mehr als 16 Meter überragt. Der markante Turm diente zu meteorologischen Zwecken sowie Fall- und Pendelversuchen der Physiker.

Im südlichen Flügel waren zwei Hörsäle mit 70 bzw. 160 Plätzen übereinander angeordnet, während im Nordflügel und im Vorderhaus vor allem Arbeitsräume und Labors untergebracht waren. Auch Räume für die Sammlung und die großzügige Dienstwohnung des Institutsdirektors beinhaltete das Gebäude.

Die „Physik“ besteht aus einem 16,5 Meter hohen Hauptgebäude mit Mittelbau sowie zwei Flügeln und wird von einem hohen Turm um mehr als 16 Meter überragt. .
Die „Physik“ besteht aus einem 16,5 Meter hohen Hauptgebäude mit Mittelbau sowie zwei Flügeln und wird von einem hohen Turm um mehr als 16 Meter überragt.

Statik und Untergrund spielten besondere Rolle

Bei der Wahl eines geeigneten Standortes für den Neubau dieses Universitätsinstitutes wurde mit Sorgfalt auf die erschütterungsfreie Aufstellung von Apparaten und Geräten geachtet. Besondere konstruktive Maßnahmen waren notwendig, um äußere Einflüsse auf die durchzuführenden Versuche zu minimieren. So wurden an verschiedenen Stellen des Institutes schwere Steinkonsolen und Mauerpfeiler in den Fußboden eingefügt.

Künftige Nutzung als Museum oder Institut?

Das imposante Gebäude steht schon seit vielen Jahren beinahe leer. Lange war es als künftiges Museum für naturwissenschaftlichen Sammlungen der Martin-Luther-Universität vorgesehen, doch es fehlte am Geld. Nun könnte das Gebäude, geht es nach dem Plan des Universität, Sitz des neuen „Instituts für Strukturwandel und Biodiversität“ werden.

Die Gründung eines solchen Institutes hatte die Kohlekommission vorgeschlagen, um den mit dem Kohleausstieg verbundenen Strukturwandel wissenschaftlich zu begleiten.

Robertinum am Universitätsplatz

Mindestens ebenso prominent wie das Physikalische Institut ist das Robertinum am Universitätsplatz 12, das gemeinsam von Otto Kilburger und Carl Hagemann geplant wurde. Das Gebäude im klassizistischen Stil beherbergt heute das Archäologische Museum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittneberg und die Klassische Archäologie. Seit 1922 wird es zu Ehren des Altertumswissenschaftlers Carl Robert „Robertinum“ genannt.

Das ab 1889 erbaute Gebäudes ist Teil des einzigartigen Ensembles des Universitätsplatzes. Das Robertinum thront oberhalb des Hauptgebäudes der Universität, ist aber zurückgesetzt, so dass es trotz seiner akropolisgleichen Position den Platz unterhalb nicht dominiert.

Das Gebäude wurde eigens für die Sammlung antiker Originale und Abgüsse von Skulpturen errichtet und 1891 feierlich eröffnet, das Archäologische Museum feierte vor vier Jahren sein 125-jähriges Jubiläum.

Das ab 1889 erbaute Gebäudes ist Teil des einzigartigen Ensembles des Universitätsplatzes.
Das ab 1889 erbaute Gebäudes ist Teil des einzigartigen Ensembles des Universitätsplatzes.

Ehem. Universitätsklinik am Domplatz

Auch die Zoologie der Universität am Domplatz 4 trägt die Handschrift von Otto Kilburger. Unter der Leitung von Friedrich Fahro (1857 bis 1930), der in dieser Architektur-Serie der Halleschen Immobilienzeitung bereits vorgestellt wurde, ist die ehemalige Universitätsklinik von 1883 bis 1887 in Zusammenarbeit mit Otto Kilburger und E. Streichert zum zoologischem Institut umgebaut worden.

Heute beherbergt die Zoologie das Zentralmagazin der naturwissenschaftlichen Sammlungen der Universität. Diese plant aktuell, das Gebäude und den benachbarten, seit Jahren leerstehenden Komplex der physikalischen Chemie an der Mühlpforte, zum zentralen Ort der Sammlungen zu machen.

Kirche der Spätromanik in Nietleben

Mit Otto Kilburger verbunden sind auch zwei Kirchen der Stadt Halle. Die Evangelische Kirche in Nietleben wurde von 1884 bis 1886 nach seinen Plänen erbaut. Kilburger versuchte, mit diesem Gotteshaus den protestantischen Bau einer Zentralkirche aus dem 17. Jahrhundert neu zu beleben.

Der rote Backsteinbau im neoromanischen Stil wurde auf achteckigem Grundriss errichtet. Die terrassenförmige Baugestaltung zeigt außen reiche Lisenen-, Blend- und Bogenfriesgestaltung in stilistischer Anlehnung an Bauten der oberitalienischen und rheinischen Spätromanik. Die Großform verrät Anlehnung an byzantinische und karolingische Architekturvorbilder. Die Kirche bietet im Schiff und auf den Emporen rund 700 Personen Platz.

Kirche der Neugotik am Reileck

Ein weiterer Kirchenneubau von Otto Kilburger ist die Stephanuskirche in der Nähe des Reilecks, eingeweiht 1893. Die neogotische St. Stephanus wurde als Hallenkirche mit Westturm und Querschiff im Stil der Neugotik mit gelben Backsteinen errichtet.

Die Halle ist 35 Meter lang, der Turm 61 Meter hoch. Im Jahr 1967 erfolgte die Entwidmung. Das Gebäude wurde stattdessen von der Halleschen Universität ab 1968 als Büchermagazin genutzt. Diese Nutzung endete 2014. Heute steht die Kirche leer.

Die St. Stephanuskirche wurde ab 1968 als Büchermagazin genutzt. Heute steht sie leer.
Die St. Stephanuskirche wurde ab 1968 als Büchermagazin genutzt. Heute steht sie leer.

Königlicher Bauinspektor

Spuren hinterlassen hat der Königliche Bauinspektor Otto Kilburger aber nicht nur in Halle. So hat er auch dem Renaissancerathaus von Wettin im Saalekreis im Jahr 1878 sein heutiges Aussehen gegeben.

Der Name Kilburger ist aber auch wegen Paul Kilburger (geboren 1863 in Halberstadt; gestorben 1951) bekannt. Der Sohn von Otto Kilburger war ebenfalls Architekt und als preußischer Baubeamter, vor allem im Harz tätig. Und noch einen Architekten gab es in der Familie: Johannes Eggers (geboren 1853 in Dannenberg, gestorben 1936 in Wernigerode) war der Schwiegersohn von Baurat Otto Kilburger.

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