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Wie Mieter und Eigentümer jetzt ihre Energiekosten senken können

Ein Überblick der kurz- und mittelfristigen Maßnahmen, mit denen sich bei Strom, Wasser und Wärme am meisten einsparen lässt

Aufgrund immer steigender Energiekosten fragen sich viele Menschen, wie sie – gerade im Hinblick auf den bevorstehenden Winter – ihren Verbrauch für Strom, Wasser und Wärme reduzieren können. Betrachtet man z. B. eine durchschnittliche Wohnung in Deutschland (92 m², Zentralheizung, beheizt mit Erdgas), so ergeben sich zahlreiche kurz- und mittelfristige Maßnahmen für Eigentümer, Mieter und Vermieter, um Energie zu sparen. „In vielen Fällen können schon kleine Veränderungen für große Effekte sorgen. Alle Potenziale müssen genutzt werden“, erklärt Markus Jugan, Vizepräsident und Vorsitzender des Bundesfachausschusses Immobilienverwalter beim IVD.

Laut den Energieberatern der Verbraucherzentralen seien diese bei der Heizung am größten. So könne der Durchschnittshaushalt, der wie über 50 % aller Haushalte mit Erdgas heizt, seine Heizkosten um bis zu 10 % verringern, wenn er die Raumtemperatur regelmäßig um vier Grad Celsius herunterregelt. Praktisch bedeutet dies: nachts und während der Arbeitszeit das Thermostat der Heizkörper ca. eine Stufe nach unten schalten. Und zwar möglichst frühzeitig, da es meistens einige Zeit dauert, bis das Heizsystem und irgendwann die Raumluft spürbar abkühlt.

Schimmelgefahr vermeiden

Keinen Sinn mache es, die Heizung ganz abzustellen, da das anschließende Wiedererwärmen der Räume mehr statt weniger Energie benötige. Zudem tritt die Gefahr von Schimmel auf, da sich bei zu starkem Abkühlen bewohnter Zimmer Kondenswasser an Fenstern oder Wänden niederschlagen kann.
Auch bei Anwesenheit kann für jedes Grad weniger in der Wohnung bis zu 6 % der Energiekosten eingespart werden.
Bei schlecht gedämmten Häusern lohnt sich das Absenken der Raumtemperatur am ehesten. Immobilien mit guter Dämmung haben hingegen per se schon einen niedrigeren Heizenergiebedarf.

Regelmäßiges und richtiges Lüften

Unabhängig davon, wie gut Wände und Fenster isoliert sind, wird auch in der kälteren Jahreszeit regelmäßiges und richtiges Lüften empfohlen. Aber was heißt das genau? Gisela Kienzle, Architektin und Energieberaterin für die Verbraucherzentrale, rät: „Zwei, drei Mal am Tag Stoß- oder Querlüften ist ideal.“ Dabei die Fenster weit öffnen, die Heizung währenddessen kurz ausstellen und beim Querlüften die Zimmertüren ebenfalls öffnen – in der Übergangszeit für 10 bis 15 Minuten, im Winter maximal 5 bis 10 Minuten. Kienzle hat noch einen Tipp gegen Schimmel: Frische Luft sollte immer dann reingelassen werden, wenn viel Feuchtigkeit im Wohnraum entstanden ist. Nach dem Duschen, Baden, Kochen sowie nach dem Aufstehen.

Entlüften, Reinigen und Freiräumen der Heizkörper

Dreht man die Heizung nach dem Lüften wieder auf, aber es wird nicht wirklich wärmer, sollte man sich die Heizkörper und Thermostate genauer anschauen. Stehen Möbel zu dicht an der Heizung? Verdecken Vorhänge die Ventile? Um die Heizkörper sollte mindestens 20 cm Platz gelassen und deren Lamellen mit einer Spezialbürste vom Staub befreit werden. Optimieren kann man die Heizleistung zusätzlich, indem man die Heizkörper bei Bedarf entlüftet und prüft, ob die Nischen dahinter und die Rohre ausreichend gedämmt sind.

Vor- und Nachteile eines hydraulischen Abgleichs

Die Empfehlung, hinsichtlich der aktuell hohen Energiekosten einen hydraulischen Abgleich der gesamten Heizanlage durchzuführen, ist langfristig aufgrund des möglichen Sparpotentials sinnvoll. Für den Durchschnittshaushalt könnten damit bei einem Erdgaspreis von 16,2 Cent/kWh jährlich bis zu 172 EUR eingespart werden. Demgegenüber stehen der Aufwand für die Heizungsfirma sowie die damit verbundenen Kosten dieser Maßnahme, die meist einen vierstelligen Betrag ausmachen. Durch die hohe Nachfrage können die Unternehmen zudem Aufträge meist erst nach sehr langer Wartezeit ausführen. Ungewiss ist auch, ob die eigene Heizanlage nach einem hydraulischen Abgleich deutlich effizienter als vorher arbeitet, sodass sich womöglich kaum Einsparungen ergeben.

Sparsamer Umgang mit Warmwasser

Laut Statistik verbrauchen die Bewohner und Bewohnerinnen der betrachteten 92-Quadratmeterwohnung jeden Tag 45 Liter Wasser für das Duschen oder Baden sowie 34 Liter für die Toilettenspülung. Rund fünf Liter benötigen sie zum Trinken und Kochen. Insgesamt beträgt der tägliche Trinkwasserverbrauch pro Kopf 125 Liter, errechnete der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).
Sparen lässt sich vor Allem beim Erhitzen des Wassers. Zwölf Prozent des Gesamtenergiebedarfs der Wohnung werden für das Warmwasser benötigt. Zum Vergleich: Ein 60-Grad-Waschgang entspricht drei Minuten warm duschen. Auf das Jahr gerechnet lassen sich zum Beispiel folgende Kosten einsparen:
jeden Duschgang um eine Minute verkürzen (-180 kWH / -29 EUR), Armaturen mit Perlator benutzen, der die Wassermenge reduziert (-240 kWH / -39 EUR), einen Tag pro Woche auf das Duschen verzichten (-280 kWH / -45 EUR).

Wasserkocher oder Kochtopf?

In der Küche stellt sich bei vielen die Frage: Ist es sparsamer, Wasser im Kochtopf auf dem Herd oder im Wasserkocher zu erwärmen? Energieberaterin Kienzle hat die Antwort: „Das Wasser im Wasserkocher zu erwärmen, verbraucht viel weniger Energie als das Erwärmen über die Kochplatte. Selbst wenn man einen Induktionsherd hat, der gegenüber einem Cerankochfeld etwa zehn Prozent Energie spart. Aber der Grund, warum der Herd im Schnitt einen großen Anteil der Energie im Haushalt ausmacht, ist eigentlich gar nicht das Kochfeld, sondern der Ofen.“ Eine Stunde backen bei 200 Grad ist vergleichbar mit dem Verbrauch von zweieinhalb 60-Grad-Wäschen.

Übrigens: Wäsche nur bei 60 Grad waschen, wenn sie sehr verschmutzt ist oder Keime größtenteils abgetötet werden sollen. Mit einer Waschtemperatur von 40 Grad spart man ca. 30 Prozent Strom ein. Auch der Trockner sollte so selten wie möglich im Einsatz sein.

Daneben gibt es im Haushalt noch einige andere mögliche Stromfresser. Permanent laufende Kühl- oder Gefrierschränke machen 10 bis 20 Prozent der Energie-
kosten aus. Von diesen Kosten lässt sich der Verbrauch durch regelmäßiges Abtauen zwischen 15 und 45 Prozent senken. Bis zu 3.000 EUR Stromkosten über 15 Jahre sparen Geräte der (alten) Effizienzklasse A+++ gegenüber der Klasse A. Die aktuelle Labels gehen nur noch von A bis G (hier entspricht C dem alten A+++).

28 Prozent des Stromverbrauchs eines Durchschnittshaushaltes entstehen durch Computer, Fernseher und andere Unterhaltungselektronik. Hier kann der Stand-By-Modus ein erheblicher Kostenfaktor werden: Ein täglich 22 Stunden im Ruhezustand schlummernder PC, dessen Arbeitsspeicher dadurch aktiv bleibt, verbraucht im Jahr so viel Energie wie hundert 60-Grad-Waschgänge.

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