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Party in der Garnisonskirche?

Die beiden letzten noch unsanierten, historischen Gebäude auf dem Gelände des Technologie- und Gründerzentrums (TGZ) „Weinberg-Campus“ sollen noch dieses Jahr gerettet werden: die leerstehende Garnisionskirche und das ehemalige „Verwahrhaus“, in dem einst psychisch erkrankte Straftäter untergebracht wurden.

Die beiden Immobilien auf Halles modernem Wissenschaftscampus „Weinberg Campus“ gehörten einst zur damals modernen „Provinzial- und Irrenanstalt“, die Mitte des 19. Jahrhunderts am Heiderand eingerichtet wurde. Nach deren Schließung gehörten sie zur Heeres- und Luftnachrichtenschule, nach dem 2. Weltkrieg und bis 1990 unterstanden sie der Kaserne der sowjetischen Armee.

Seit 1990 aber verfallen beide Häuser in direkter Nähe der Weinbergwiesen in Heide-Süd. Vor allem die 1864 gebaute Kirche und spätere Garnisionskirche geriet beinahe in Vergessenheit. Während rundherum das TGZ und der Wissenschaftscampus entstanden, eine Milliardeninvestition bis heute, gab es keine Nutzungsidee.

Die „Sowjets“ hatten das Gotteshaus als Turnhalle zweckentfremdet. Doch der Leerstand seit dem Abzug der sowjetischen Armee war auch nicht viel besser. Immerhin: Die Stadt Halle hat zuletzt das Dach ausbessern und das denkmalgeschützte Gebäude sichern lassen. Immer wieder tauchten seither Investoren- und Sanierungspläne auf, die jedoch alle gescheitert sind.

Sanierung der Garnisionskirche bis Ende 2019

Im vergangenen Jahr nun hat die Atelier Bau GmbH die beiden ungewöhnlichen Immobilien in Heide-Süd gekauft. Das Unternehmen hat in Halles jüngstem Stadtviertel bereits rund 500 Wohnungen errichtet.

Aus der Kirche soll nun ein Veranstaltungshaus werden. Etwa 300.000 Euro sind dafür vorgesehen. Nur eine eher „rustikale Sanierung“ soll es werden, wie Atelier-Bau-Projektleiter Heiner Schneider sagt. Das Dach sei ja bereits erneuert, man werde lediglich Fußboden und Heizung einbauen. „Die zehn bis zwölf Fenster aber wollen wir von einem Glaskünstler gestalten lassen.“

Das Gebäude soll nach der Sanierung – Ende 2019 ist geplant – für Veranstaltungen jeder Art gemietet werden können.

Haupthaus der ehemaligen „Heil- und Pflegeanstalt“ Nietleben in Heide-Süd.

Restaurant, Biergarten und Café am Standort geplant

Unmittelbar neben der alten Garnisionskirche möchte Heiner Schneider einen zweigeschossigen, einfachen neuen Zweckbau mit Gastronomie bauen, der als Seminarraum sowie den Beschäftigten auf dem Weinberg-Campus als „Essenversorgung“ dienen soll. Etwa 500 Essen sollen dort täglich gekocht werden, „hochwertiger als Kantinenessen“, stellt sich Heiner Schneider vor. Auch ein kleineres Restaurant soll es geben – ein echter Mangel in Heide-Süd. Ein Biergarten und ein Café wären ebenfalls vorstellbar, so Investor Schneider.

Neubau und „Party-Kirche“ sollen miteinander verbunden werden. Die Investitionskosten würden sich auf bis zu 1,5 Mio. Euro belaufen. Die Atelier Bau GmbH saniert bereits das ehemalige „Verwahrhaus“. Die Ruine mit dem Walmdach steht nicht unter Denkmalschutz. Bis vor kurzem war für das Gebäude eine Nutzung als Wissenschaftseinrichtung festgeschrieben, doch dies ließ sich in der Altbau-Ruine nicht realisieren.

Nun entwickelt der Investor ein „Dienstleistungszentrum“ für Campus-Beschäftigte wie Bewohner von Heide-Süd. Ärzte, eine physiotherapeutische Praxis, eine Arbeitsvermittlung, ein Architekt, ein Friseur, ein Tierarzt und die Atelier Bau GmbH ziehen ein – und ein Geldautomatenraum der Saalesparkasse, der erste übrigens im Viertel.

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